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Der Weißstorch (Ciconia ciconia)

Weißstörche in Brandenburg

Weißstorchfamilie (© LfU) Der Weißstorch (Ciconia ciconia) hätte durchaus das Zeug zum brandenburgischen Wappenvogel: Bis zu 1.400 Brutpaare werden in Brandenburg pro Jahr registriert; im Jahr 2014 waren es 1.424 anwesende Horstpaare. Seit mittlerweile 25 Jahren koordiniert das Landesamt für Umwelt (LfU) mit dem NABU-Landesarbeitskreis Weißstorchschutz die jährliche Erfassung der brandenburgischen Storchenpopulation. Der Trend der Bestandsentwicklung seit 1992 ist stabil. Die Jahre 1993, 1997, 2005 und 2013 waren allerdings keine guten Storchenjahre, sondern so genannte "Störjahre", in denen aufgrund ungünstiger Witterungsverhältnisse während des Heimzuges viele Paare verspätet oder gar nicht im Brutgebiet erscheinen. Folglich bleiben Brutbestand und auch die Nachwuchsrate in solchen Jahren deutlich geringer.

Fliegender Weißstorch (© LfU) Nach Schätzung des NABU Brandenburg lag der märkische Bestand in den 1950er bis 1980er Jahren bei 800 bis 950 Brutpaaren. Pro Brutpaar werden jährlich im Durchschnitt zwei Jungvögel flügge, was als ausreichend erscheint, um die heimische Population aus eigener Kraft zu erhalten.

Schwerpunkträume der Verbreitung des Weißstorches in Brandenburg bilden die Flußauen und Niederungen, allen voran die Elbaue in der Prignitz (mit dem Europäischen. Storchendorf Rühstädt), der Spreewald, das Obere Rhinluch (mit dem Storchendorf Linum) und das Oderbruch. Größere Waldgebiete, trockene Sanderflächen sowie industrialisierte Landschaften werden gemieden.

Weißstorch in Rühstädt (© LfU) Noch ist der Weißstorch in Brandenburg als gefährdet eingestuft. Gründe dafür sind der Verlust bzw. die Beeinträchtigung an Nahrungsflächen und der Einsatz von Bioziden. Häufige Todesursache bei den Großvögeln ist auch die Verdrahtung der Landschaft. Die meisten Leitungsopfer sterben an Stromschlag, insbesondere flügge Jungstörche. Eine wichtige Schutzmaßnahme ist deshalb die Umrüstung besonders gefährlicher Masttypen im Umfeld der Horste und in Nahrungsgebieten sowie der Rückbau nicht mehr benötigter Leitungen. Nach Daten der Staatlichen Vogelschutzwarte des Landesamtes für Umwelt in Buckow (bei Nennhausen) waren es jährlich bis zu 100 Verluste durch Energiefreileitungen. Angesichts der guten Zusammenarbeit des Landesamtes, der Horstbetreuer und der Energie-Unternehmen kam es in den letzten Jahren allerdings zu zahlreichen Umrüstungen besonders gefährdeter Masttypen sowie zu Leitungsrückbaumaßnahmen, infolgedessen auch die Anzahl von tödlich verunglückten Weißstorchen an Strommasten und -leitungen deutlich zurückging. Bedeutsam sind weiterhin die Jungvögel-Verluste durch Bindegarn, das als Nestmaterial eingetragen wird. Hier hat die Staatliche Vogelschutzwarte ebenfalls bis zu 100 Fälle pro Jahr zusammengetragen! Für die Reduzierung dieser Gefahrenquelle sind die Landwirte in der Pflicht; ein aufklärendes Faltblatt zur Bindegarn-Problematik wurde von der Staatlichen Vogelschutzwarte vor etwa 10 Jahren herausgegeben.

Das Nahrungsangebot für Weißstörche (z. B. Amphibien, Kleinsäuger) wird u. a. auf vom Land und der EU finanzierten extensiven Bewirtschaftungsmaßnahmen auf Grünlandflächen unterstützt. In diesen Gebieten gibt es auch die landesweit höchsten Brutbestände.

Bestandszählung und Horstbetreuung

Auf Altkreisebene sind für den Weißstorch in Brandenburg 40 ehrenamtliche NABU-Kreisbetreuer tätig. Der Weißstorch ist der Wappenvogel des Naturschutzbundes. Horstsanierungen beziehungsweise Neuanlagen werden ebenfalls über die NABU-Kreisbetreuer begleitet. Die Kosten dafür tragen meistens die Unteren Naturschutzbehörden der Landkreise.

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Steckbrief:

Familie: Störche (Ciconiidae)
Ordnung: Schreitvögel (Ciconiiformes)
Kenzeichen: weiß-schwarzes Gefieder, rote Beine, roter Schnabel (Jungvögel mit schwarzer Spitze)
Größe: ca. 80 cm (Höhe)
Flügelspannweite: bis 2 Meter
Gewicht: 2,5 bis 4,5 Kilogramm schwer
Alter: bis 35 Jahre
Nahrung:
  • Amphibien (Frösche, Kröten, Unken),
  • Reptilien (Schlangen, Eidechsen),
  • Fische,
  • Mäuse, 
  • Insekten und -larven sowie Regenwürmer
Fortpflanzung: brütet auf Hausdächern, Strommasten, Türmen oder Bäumen, gern auf künstlichen Nestunterlagen wie Wagenräder;
Brutzeit:
  • Brutzeit Mitte April bis Ende Juli
  • 1 Jahresbrut (3 bis 5 Eier)
  • beide Partner brüten 32 bis 33 Tage
  • Nestlingszeit (Schlupf bis Ausfliegen) ca. 2 Monate
  • Futter bzw. Wasser wird im Kehlsack zum Nest gebracht und ausgewürgt
Verhalten:
  • Zugvogel small>(Westzieher nach Spanien und Nordwest-Afrika; Ostzieher nach Ost- und Südafrika)
  • tagaktiv
  • Segelflieger (nutzt Thermik; Ruderflug schwerfällig)
  • Nahrungssuche im Gehen
  • brutplatztreu
  • Männchen trifft vor dem Weibchen ein und besetzt möglichst das Nest (Horst) vom Vorjahr
  • gelegentlich heftige Kämpfe mit Besetzern vorjähriger Nester
  • Begrüßung des Partners mit Schnabelklappern
  • nach der Brutzeit in kleineren oder größeren Gruppen
Lebensraum:
  • Offene Landschaften wie Flussniederungen (insbes. Überschwemmungsflächen),
  • extensiv genutzte Wiesen und Weiden,
  • Kulturlandschaft mit nahrungsreichen Kleingewässern
Bestand und Verbreitung:
  • weltweit ca. 235.000 Brutpaare, davon ca. 4.500 in Deutschland
  • brütet in Europa von Portugal im Westen bis Westrussland/Ukraine im Osten (Nordgrenze entlang der Ostseeküste)
  • besiedelt auch Teile Nordafrikas und Kleinasiens und kleine Brutpopulation in Südafrika
Sonstiges: Als Adebar (Fabelwelt) in der Bevölkerung sehr beliebt. Glücksbringer.
Letzte Aktualisierung: 17.02.2016

Übersicht


Weitere Informationen


Kontakt:

Landesamt für Umwelt
Abteilung Naturschutz
Referat N3
Grundlagen Natura 2000,
Arten- u. Biotopschutz
Staatliche Vogelschutzwarte
Torsten Ryslavy
Tel.: 033878/ 60257
E-Mail an: Torsten Ryslavy