MLUL

Aufgaben

Fachübergreifende Themen

Presse und Öffentlichkeitsarbeit

Verwaltung und Service

Weltbürger Fischadler: In Brandenburg zu Hause

Vorkommen, Lebensweise
Brandenburg ist europaweit ein wesentliches Verbreitungsgebiet des Fischadlers: Bei zunehmender Tendenz brüteten hier 2008 mit > 300 Paaren etwa die Hälfte aller mitteleuropäischen Fischadler. Im wald- und seenreichen Norden Brandenburgs wird mit mehr als drei Brutpaaren auf 100 km2 die höchste Siedlungsdichte erreicht. Da die Art nach ihrer fast flächendeckenden Ausrottung in vielen Teilen Europas als Brutvogel noch immer fehlt, wird die Bestandsentwicklung in Brandenburg darüber entscheiden, ob und wie schnell es zu einer europaweiten Wiederbesiedelung kommen kann. 

Die Art Fischadler (Pandion haliaetus) unterscheidet sich von allen anderen Greifvögeln in einer Reihe von Merkmalen, weshalb sie in eine eigene Familie gestellt wird. Diese besonderen Anpassungen sind Ausdruck einer perfekten Spezialisierung auf ausschließliche Fischbeute. So konnte der Fischadler zum konkurrenzlosen Weltbürger werden, der in fünf Unterarten fast alle Kontinente bewohnt. Fischadler gibt es schon seit ca. 30 Mio. Jahren nahezu unverändert. Ausgewachsene heimische Fischadlermännchen wiegen mit 1,3 bis 1,5 Kilogramm nur wenig mehr als Mäusebussarde, die Weibchen bringen 1,7 bis 2 Kilogramm auf die Waage. Die Flügelspanne entspricht allerdings schon knapp der Armspanne eines erwachsenen Mannes. 

Aus der Distanz wirken Fischadler schwarz-weiß, die Jungvögel kontrastreicher als die alten. In der Regel sind Männchen an der nahezu weißen Brust, Weibchen an einem dunklen Brustband zu erkennen. Die extrem langen Flügel verleihen dem Vogel im Flug ein elegantes, möwenartiges Profil. Der Flügelbug des stehenden Vogels überragt auffallend dessen Brust; die Flügelspitzen sind länger als der Schwanz. Das verschließbare Nasenloch erleichtert den Adlern den Fang im Wasser. Sie können Fische stoßtauchend bis in ca. 1 Meter Wassertiefe erbeuten. Zum effektiven Erfassen der schlüpfrigen Beute sind die Fänge sehr kompakt und deren Sohlen stark aufgerauht. Die Außenzehen sind zu Wendezehen umgeformt, alle Krallen stark gekrümmt. 

Der von der Wirtschaft verschmähte Blei ist mit ca. 70 Prozent die Hauptbeute. Da Fischadler ganzjährig auf eisfreie Gewässer angewiesen sind, ziehen Brandenburgs Brutvögel ab September ins mittlere Westafrika und treffen i. d. R. nach dem 20. März wieder an ihren vorjährigen Brutplätzen ein. Die nördliche Arealgrenze des Fischadlers in Eurasien wird von der Baumgrenze markiert. Die großen Horste werden auf flache, besonders exponierte Kiefernkronen aufgelegt. In Brandenburg befinden sich heute ca. zwei Drittel der Horste auf den Mastköpfen von Hochspannungsfreileitungen. Ein bis vier Eier werden vom Weibchen 38 bis 42 Tage bebrütet. Während ausschließlich das Männchen die Nahrung herbeischafft, bewacht die Mutter über die gesamte Nestlingszeit von etwa 55 Tagen die Jungen. Erst die Flüggen werden zu einem großen Teil vom Weibchen mit Fisch versorgt. Im Mittel der Jahre kommen in Brandenburg etwa 1,4 Junge pro Revierpaar zum Ausfliegen.

Schutz- und Pflegemaßnahmen
Mittels eines Netzwerkes von ehrenamtlichen Horstbetreuern, vom Landesamt koordiniert, werden jährlich die Bestands- und Reproduktionsdaten zusammengetragen. Der Brutplatz steht im Zentrum der Schutzbemühungen, wobei ungestörte Bedingungen während der Brutzeit das Wichtigste sind. Details regelt der Horstschutzparagraph (§ 33) des Brandenburgischen Naturschutzgesetzes. Von grundsätzlicher Bedeutung ist darüber hinaus der Erhalt eines Potenzials an Altholz, denn nur auf besonders alten Kiefern können Fischadler ihre Horste bauen. Mehr als andere Großvogelarten lassen sich Fischadler auch durch künstliche Nistunterlagen „managen“: bestehende Nester können gesichert werden und zusätzliche, absturzsichere Kunsthorste in günstiger Lage angeboten werden. Unter besonderen Bedingungen sind selbst gezielte Umsiedlungen möglich, doch dies bedarf der gewissenhaften Abwägung und Unterstützung durch Spezialisten.
Dank des mittlerweile sehr günstigen Erhaltungszustandes kann seit dem Jahr 2004 ein Wiederansiedlungsprogramm für den Fischadler in Spanien mit Nestlingen aus Brandenburg unterstützt werden.

Beringung
Ein Farbberingungsprogramm der Vogelwarte Hiddensee (Mecklenburg-Vorpommern) liefert seit Jahren zuverlässige Daten zu Demografie und Ansiedlungsmustern der Brutvögel. Eine zentrale Frage konnte bereits beantwortet werden: Bei den Mastbrütern erfolgt eine Traditionsbildung, die aber nicht irreversibel ist. So wurden in Frankreich Nachkommen der Brandenburger Mastbrüter als Baumbrüter angetroffen. Das Erkennen der verschiedenen Ringkombinationen sowie der individuellen Buchstabencodes ist mit Geduld und einem konventionellen Spektiv aus 300 Meter Entfernung ohne Störung möglich.

Die Vogelwarte Hiddensee bittet um exakte Ablesung der Ringträger sowie Mitteilung von Beobachtungsdatum und -ort. Berichte werden erbeten an:
Naturschutzstation Woblitz, 16798 Himmelpfort, Tel./Fax: 033089/ 41204, die die Daten an die Vogelwarte Hiddensee weiterleitet.

Letzte Aktualisierung: 20.05.2016

Fischadler

© W. Klaeber

Kontakt:

Landesamt für Umwelt
Abteilung Naturschutz
Grundlagen Natura 2000,
Arten- u. Biotopschutz
Staatliche Vogelschutzwarte
Dr. Torsten Langgemach
Tel.: 033878/ 60257
E-Mail:
Staatliche Vogelschutzwarte
» Anfahrt

Unsere Mitarbeiter erreichen Sie Montags bis Donnerstags in der Zeit von 9.00 - 15.00 Uhr.
Außerhalb dieser Zeiten halten wir uns nach Absprache gern
für Sie bereit.
Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass wir keine verletzten Tiere aufnehmen können.
Gern helfen wir weiter und beantworten Ihre Fragen.