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Buckow - die Wiege des märkischen Großtrappenschutzes

Die Staatliche Vogelschutzwarte - heute eine Einrichtung des Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg - feierte 2009 ihren dreißigsten Geburtstag.

Das Jahr 1978 markiert die "Geburtsstunde" der Naturschutzstation Buckow im Havelländischen Luch. Veränderungen in der Organisation des staatlichen Naturschutzes, hoher persönlicher Einsatz und viel ehrenamtliche Unterstützung sorgten dafür, dass hier 1979 die hauptamtliche Arbeit für den Schutz der Großtrappe beginnen konnte.

Von Anfang an war dabei die Großtrappe eine Leitart – stellvertretend für viele andere Tier- und Pflanzenarten in der Agrarlandschaft, die durch die Intensivierung der Landwirtschaft immer mehr in Bedrängnis gerieten. Das Spektrum der Aufgaben reichte von Grundlagenarbeiten wie Forschung, Kartierungen und Vogelerfassungen über praktische Landschaftspflegearbeiten, Schulungen von Landwirten und ehrenamtlichen Naturschützern bis zu koordinierenden Aufgaben im Naturschutz.

Die Gründung von Bezirksarbeitsgruppen, etwa für Greifvögel und Säugetiere, trug dazu bei, ehrenamtliches Engagement zu bündeln. Internationale Tagungen für die Großtrappe waren Zeichen der Kooperation über Ländergrenzen hinaus; allein zwei davon fanden in der heutigen Region Brandenburgs statt. Im Zentrum standen Fragen zu den Rückgangsursachen der Art und den Möglichkeiten des Gegensteuerns durch den Naturschutz. Noch zu DDR-Zeiten gelang es, im Westhavelland und den Belziger Landschaftswiesen einige Tausend Hektar aus der intensiven landwirtschaftlichen Produktion herauszulösen und einer extensiveren Nutzung zuzuführen. Erstmals war der Schutz des Lebensraumes möglich – weit hinausgehend über die bisherigen Möglichkeiten.

Die politische Wende von 1989 brachte neue Chancen für den Großtrappenschutz. Die Privatisierung und Neuorientierung der Landwirtschaft ließ sich nutzen, gemeinsam mit den Landwirten die Situation für die Großtrappe in den Einstandsgebieten Havelländisches Luch, Belziger Landschaftswiesen und Fiener Bruch weiter zu verbessern. Seit 1990 erfolgt dies unter dem Dach des Landesumweltamtes Brandenburg. LIFE-Projekte schufen die Voraussetzungen für die späteren Agrar-Umweltmaßnahmen und die dauerhafte Sicherung der Gebiete. Dazu trug auch der Erwerb von Land für den Großtrappenschutz bei, unterstützt durch Sponsoren wie die Zoologische Gesellschaft Frankfurt. Ein Förderverein für den Großtrappenschutz wurde gegründet. Auch die internationale Zusammenarbeit bei Forschung und Schutz erhielt Rückenwind. Von Spanien bis in die Mongolei gibt es kaum ein Land mit Großtrappen- Vorkommen, mit dem es keine gemeinsamen Aktivitäten gab und gibt. Im Jahr 1995 fand wiederum eine internationale Großtrappentagung in Brandenburg statt, in deren Ergebnis ein umfangreicher Tagungsband entstand.

Untrennbar sind die ersten zwanzig Jahre der Naturschutzstation mit den Namen von Dr. Heinz Litzbarski und Dr. Bärbel Litzbarski verbunden. Auch im folgenden Jahrzehnt war Heinz Litzbarski als Leiter des Fördervereins aktiv für den Großtrappenschutz, wofür er 2008 mit dem Naturschutzpreis des Landes Brandenburg geehrt wurde.

Im Jahr 1998 dann Umstrukturierung und Neubeginn: Aus der "Trappenstation" wurde die Staatliche Vogelschutzwarte für das Land Brandenburg. Der Zuständigkeitsbereich erweiterte sich auf die Gesamtfläche des Landes, und eine Vielzahl neuer Aufgaben kam hinzu – Vogelschutz auch außerhalb der Agrarlandschaft, Schutzprojekte für weitere gefährdete Arten, die Koordinierung des Vogelmonitorings und der Vogelberingung in Brandenburg, neue Themen wie Klimawandel oder das Spannungsfeld von Windenergie und Vogelschutz.

Parallel dazu war kontinuierlich die Arbeit vor Ort umzusetzen. Die Zusammenarbeit mit den Landwirten musste unter sich ständig ändernden Rahmenbedingungen immer wieder neu organisiert werden, um nicht nur die Trappen zu erhalten, sondern auch die Betriebe, die letztlich den Lebensraum der Vögel gestalten. All dies erforderte auch eine Neuorganisation der Arbeitsteilung mit dem Förderverein, der einen Teil der praktischen Aufgaben übernahm, aber auch zunehmend die Öffentlichkeitsarbeit für den Großtrappenschutz. Nicht zuletzt dadurch, dass Verein und Vogelschutzwarte an einem Standort zu Hause sind, erfolgt die Betreuung des Großtrappenprojektes bis heute Hand in Hand.

Von der Naturschutzstation zur Vogelschutzwarte
(NundL 4/2009, S. 154-160)

Letzte Aktualisierung: 05.02.2013

Großtrappe

Großtrappe (Foto: H. Litzbarski)