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Auswirkungen von Windenergieanlagen

Zur Gefährdung von Wiesenweihen durch Windenergieanlagen (WEA)

Bis ins Jahr 2010 hinein gab es für die Gefährdung von Wiesenweihen durch WEA in Deutschland keine sicheren Belege. Im Rahmen des Forschungsvorhabens des Michael-Otto-Instituts des NABU "Greifvögel und Windenergieanlagen: Problemanalysen und Lösungsvorschläge" wurde durch Analyse der Daten besenderter Wiesenweihen festgestellt, dass die Mehrzahl der Jagdflüge in Bodennähe erfolgte. Etwa 5-10 Prozent aller Flüge, insbesondere beim Thermikkreisen, bei der Balz und der Beuteübergabe vom ♂ ans ♀ wurden in Rotorhöhe beobachtet (GRAJETZKY et al. in HÖTKER 2009). LEKUONA & URSÚA (2007) geben für 8 Prozent der in der Region Navarra (Spanien) beobachteten Flüge Risikosituationen an WEA an.

Mittlerweile gibt es vier Verlustmeldungen über Wiesenweihen, die durch Rotorschlag an WEA in Spanien verunglückt sind.

Die erste Fundmeldungen durch A. CAMIÑA CARDENAL gehen auf je einen Fund am 11.10.2004 in der Provinz La Rioja (adultes ♂) sowie am 19. April 2006 im Windpark Bureta / Saragoza (adultes ♂) zurück. LEKUONA (2009, briefl.) erwähnte einen weiteren Fund eines adulten ♂ am 8. September 2009 in einem Windpark der Region Navarra und R. LIMIÑANA einen Fund im Windpark Castellón at Barracas (adultes ♂) am 26. April 2010. Vier weitere Funde, ein subadultes ♀ (4. August 2005) und drei Jungvögel (18. September 2005, 28. August 2007, 11. September 2007) wurden in südspanischen Windparks gefunden (M. DE LUCAS 2011 / J. appl. Ecology). Von der JUNTA DE ANDALUCIA (2010) werden 11 Funde aus den Jahren 2005 bis 2009 aus der Region Cadiz erwähnt, u.a je 1 Fund in den Windparks Cortijo Guerra-II (Puerto Real), El Ruedo, Hinojal-I, La Manga und Pasada de Tejada (Tarifa), Jerez (Jerez), Rancho Viejo (Medina) sowie Zarzuela (Cadiz). R. MUNOZ (schriftl.) fasste in einem Vortrag auf einer 2011 in Spanien stattgefundenen Weihentagung insgesamt 17 Funde der Wiesenweihe im Zeitraum 2005 bis 2010 für den Süden Spaniens zusammen (je 2 Funde 2005 und 2007, 4 Funde 2008, 3 Funde 2009, 6 Funde 2010) darunter sechs Altvögel und 8 Jungvögel. Mit den Fundmeldungen aus anderen Regionen Spaniens erhöht sich die Anzahl dokumentierter Kollisionsopfer in Spanien auf 21 Individuen.

In deutschen Windparks wurden bis 2009 drei Wiesenweihen verletzt oder tot gefunden, deren Verletzungsursache nicht eindeutig aufgeklärt werden konnte – neben Anflugtrauma durch Rotorschlag kam jeweils auch Kollision mit einem Kraftfahrzeug in Frage.

Seit dem Frühjahr 2010 gibt es zwei Fundmeldungen, die nunmehr auch für Deutschland Rotorschlag bei Wiesenweihen belegen. Beide Funde fallen in die Phase der Balz, in der sich die Weihen regelmäßig, durch Thermik und Wind begünstigt, in größere Höhen tragen lassen.

Am 16. Mai 2010 wurde im Windpark Petjenburg (Lkr. Aurich) ein frisch totes adultes ♂ unter einer repowerten WEA gefunden, die sich nur 150 m entfernt vom Brutplatz des Vogels befand. Nach Befund des Instituts für Zoo- und Wildtierforschung Berlin starb der Vogel sehr wahrscheinlich an den Folgen eines Barotraumas (R. BAUM, briefl.).

Ein zweites totes adultes ♂ wurde am 9. Mai 2010 an einer WEA im Bürgerwindpark Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog (Lankreis Nordfriesland) gefunden. Der Vogel hatte seinen Brutplatz in einer Entfernung von 210 m zur nächstgelegenen WEA (B. GRAJETZKY, briefl.).

Auffällig ist, dass sechs der sieben gefundenen Altvögeln ♂ waren. Vier von ihnen wurden im April und Mai gefunden und starben in der Phase der Revierbesetzung, Balz und Bebrütungszeit der Gelege, was auf eine besondere Schlaggefährdung der ♂ während der Brutzeit deutet.

Letzte Aktualisierung: 02.06.2015

Kontakt:

Landesamt für Umwelt
Abteilung Naturschutz
Referat N3
Arten- u. Biotopschutz
Staatliche Vogelschutzwarte
Tobias Dürr
Tel.: 033878/ 909913
E-Mail an: Tobias Dürr