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Havelpolder schaffen Platz für die Elbeflut

Schema Havelpoler © Landesamt für UmweltNeues Fenster: Bild vergrößernSchema Havelpoler Wenn die Elbe Hochwasser führt, hat die Havel für längere Zeit keine Chance, wie gewohnt in die Elbe abzufließen. So auch im Sommer 2002.

Da sich nach den langanhaltenden, großflächigen Starkniederschlägen am Anfang der zweiten Augustdekade auch für die Elbe eine Flutwelle ungeahnten Ausmaßes ankündigte, die für alle Anrainer zu einer ernsthaften Gefahr werden würde, änderten die Länder Brandenburg und Sachsen-Anhalt gemeinsam mit der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes kurzfristig die gesamte Bewirtschaftung im Spree-Havel-Gebiet, um zur Entschärfung der Situation beitragen zu können.

Mit Bekanntwerden der katastrophalen Geschehnisse in Sachsen und den weiteren beunruhigenden Prognosen zum Verlauf des Hochwassers wurden vorsorglich die Abflüsse aus der Talsperre Spremberg und dem Dossespeicher gedrosselt und alle weiteren für den Hochwasserfall vorgesehenen Rückhaltekapazitäten genutzt.
Dies geschah im Wissen, dass die Wasserstände durch die starken Regenfälle des Sommers ohnehin schon sehr hoch lagen. Von Rathenow bis Berlin wurden auf Rat eines Expertenteams von Wasserwirtschaftlern die vorhandenen Staumöglichkeiten in Havel und Spree zielgerichtet eingesetzt, um den Havelabfluss zu reduzieren. Durch die planmäßig erzeugten höheren Wasserstände in der Havel oberhalb von Rathenow, die einem Mittelwasserstand im Winterhalbjahr nahe kommen, konnte der Unterlauf der Havel entlastet und ihr Zufluss in die Elbe verringert werden.

Warum wurde die Havelmündung technisch verriegelt?

Um bei Elbhochwasser einen Havelrückstau zu verhindern, wurde Anfang des vorigen Jahrhunderts damit begonnen, die Mündung der Havel unterhalb von Havelberg durch einen parallel zur Elbe laufenden Kanal, den Gnevsdorfer Vorfluter, weiter elbabwärts zu verlegen. Damals ersannen kluge Köpfe, die wussten, dass Havel und Elbe selten gleichzeitig Hochwasser führen, ein System zur "Zwischenlagerung" des Hochwasserscheitels der Elbe in der Havelniederung. Kernpunkt dieses Systems sind die Quitzöbeler Wehre aus dem Jahr 1936, die nach dem zweiten Weltkrieg noch durch die Wehre Neuwerben und Gnevsdorf ergänzt wurden.
Bis zum jetzigen Zeitpunkt musste dieses System noch nie ernsthaft zur Hochwasserregulierung eingesetzt werden.

Wie funktioniert das Wehrsystem?

Baut sich ein Hochwasser in der Elbe auf, wird die Mündung der Havel am Wehr Quitzöbel geschlossen und die Havel beginnt sich hinter den Wehren Neuwerben und Quitzöbel aufzustauen. Bis zu einem festgelegten maximalen Wasserstand am Pegel Havelberg-Stadt kann die Havel bis zu 140 Mio. Kubikmeter Wasser zurückhalten.

Bei einer extremen Elbeflut, wie sie jetzt zu beobachten ist, bietet es sich an, diesen Stauraum des Havelschlauchs zu nutzen und damit den Hochwasserscheitel der Elbe zu kappen. So ergibt sich eine Möglichkeit, die Elbunterlieger, wie z.B. die Stadt Wittenberge, durch Entlastung der immer weiter aufweichenden Elbdeiche vor größeren Überflutungen zu schützen.

Wie wird an den Wehren "gedreht"?

Kurz bevor der Elbscheitel die Havelmündung passiert, wird das Wehr Neuwerben geöffnet, so dass Elbwasser in die Havel strömt und sich der vorgesehene Stauraum füllt.

Da aber gleichzeitig auch weiterhin Wasser aus der anderen Richtung, also aus dem Berliner und Potsdamer Raum in diesen Stauraum nachfließt, ist dessen Kapazität früher oder später erschöpft. Dann muss das Wehr Neuwerben geschlossen und der Elbzufluss gestoppt werden.

Nach Ablauf der Hochwasserwelle der Elbe kann die Havel ihr Wasser am Wehr Quitzöbel über den Gnevsdorfer Vorfluter wieder in die Elbe ableiten.

Und wenn das Elbhochwasser alle Rekorde bricht?

Für extreme Hochwasser wurden 1955 rechts und links der Havel sogenannte Polder, d.h. eingedeichte Flächen errichtet und später als Überschwemmungsgebiete rechtlich festgesetzt. Dadurch wird der Pufferraum für den Hochwasserfall in der Unteren Havel nochmals um 110 Mio. Kubikmeter, also auf insgesamt 250 Mio. Kubikmeter Wasser erhöht.

Um diese Polder schnell fluten zu können, müssen bei einem möglichst hohen Wasserstand in der Havel kurzfristig große Öffnungen in den Polderdeichen geschaffen werden. Die Polder füllen sich dann und die Wasserstände der Havel sinken.

Da der Extremfall in diesen Tagen eintrat, wurde zwischen den Landesregierungen Sachsen-Anhalts und Brandenburgs einvernehmlich beschlossen, die Havelpolder erstmals zu nutzen und damit die Überschwemmungsgefahr nicht nur für die 20.000 Brandenburger Anrainer der Prignitz sondern auch für die in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg spürbar zu senken.

Letzte Aktualisierung: 04.07.2016

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